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Toni Erdmann

Regie: Maren Ade | Darsteller: Sandra Hüller, Peter Simonischek, Michael Wittenborn u.a.
Drama/Komödie | Deutschland/Österreich/Rumänien | 2016 | FSK: 12 | 162 min

Maren Ades Geschichte von der Karrierefrau Ines und ihrem einfallsreichen Vater ist nicht nur ungewöhnlich, sondern sie zeigt den Kampf der Generationen als liebevoll ironische Herausforderung für beide Seiten. Wie in einem schüchtern startenden Pas de deux kreisen Vater und Tochter umeinander, befehden sich und lieben sich doch.

Cannes 2016 Fipresci-Preis der Internationalen Filmkritik

Europäischer Filmpreis in 5 Kategorien: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller und Beste Hauptdarstellerin, Bestes Drehbuch

Der Musiklehrer Winfried besucht spontan seine Tochter Ines. So weit – so gut. Doch Ines lebt und arbeitet in Rumänien als Unternehmensberaterin, und Winfried ist zwar erfreulich spontan für sein Alter, aber auch nicht mehr ganz fit und gerade ziemlich unglücklich, denn sein alter Hund ist gestorben. Vor allem aber ist Winfried ein großer Freund launiger Scherze und Streiche, mit denen er gern mal die Reaktionen seiner Umwelt testet. Das weiß die Tochter natürlich, auch wenn sie sonst mit ihrem Vater wenig am Hut hat. Der Kontakt ist alles andere als innig, Ines erfüllt ihre töchterlichen Verpflichtungen, aber mehr war bis jetzt nicht drin. In Bukarest angekommen, wird Winfried von Ines zu ihren Terminen und Empfängen mitgeschleift. Kein guter Start, und es kommt noch schlimmer, denn Winfried kann sich weder seine Witze verkneifen noch die Kritik an Ines‘ Lebensstil. Er verabschiedet sich von seiner Tochter, aber der Abschied ist keinesfalls endgültig, denn Winfried kehrt zurück, und zwar als Toni Erdmann, sein Alter Ego mit schrecklicher schwarzer Wuschelperücke und schiefen Zähnen. Und dieser Toni Erdmann schafft, was Winfried nicht geschafft hat: Er findet einen Weg zu Ines.

Peter Simonischek – dieser Bär von einem Mann spielt den Winfried, also auch den Toni. Sandra Hüller ist als Ines betörend vielseitig, dabei sehr wach und aufmerksam, immer irgendwie auf dem Sprung. Kein Wunder: Die junge Unternehmensberaterin arbeitet nicht nur hart, sondern in einem Gewerbe, das die ganze Persönlichkeit fordert. Sie hat es geschafft, sich durchzusetzen, sogar in einer Männerdomäne.
Maren Ade baut mit diesem perfekten Duo Peter Simonischek und Sandra Hüller, die gemeinsam und dennoch jeder für sich zu einem merkwürdigen Pas de deux antreten, eine unglaublich intensive Bindung auf. Sie zeigt eine Vater-Tochter-Beziehung, die gleichzeitig ein Abgesang aufs 20. Jahrhundert ist und die Beschreibung einer neuen Zeit. Das macht Maren Ade ohne Wehmut und Anklage. Sie stellt fest, sie seziert wie ein besonders präziser Chirurg die Beziehungsgeflechte zwischen Vater und Tochter und richtet das Ergebnis dann mit viel liebenswertem Charme und wissendem Humor so an, dass alle Beteiligten ernst genommen werden und ihre Geheimnisse behalten.

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