Paterson

Regie: Jim Jarmusch | Darsteller: Adam Driver, Golshifteh Farahani, Kara Hayward u.a.
Drama/Komödie | USA | 2016 | FSK: 0 | 115 min

Jim Jarmusch bleibt seinem Thema als melancholischer Kino-Liebesbote treu. Diesmal erzählt er aus dem Leben eines Busfahrers. Der Held heißt Paterson, so wie das Provinzstädtchen in New Jersey, wo er lebt. Mit seiner Frau Laura sowie der britischen Bulldogge Marvin bewohnt er einen bescheidenen Bungalow. Eine Woche lang, unterteilt in sieben Tages-Kapitel, nimmt man teil am Leben von Paterson. das von viel Ruhe und Routine bestimmt ist.

Jeden Morgen wacht er an der Seite seine Ehefrau auf, einen Wecker braucht er nicht. Nach dem Frühstück begibt sich Paterson geruhsam zum Bus-Depot und zieht auf der Linie 23 gelassen seine Runden durch die Stadt. Der Feierabend folgt gleichfalls festen Regeln: Den schiefen Pfosten des Briefkastens gerade rücken. Danach mit dem Hund der abendliche Spaziergang zur Stammkneipe. Nach einem Bier und dem kleinen Schwatz mit dem Barmann geht es zurück zur bereits schlafenden Frau. Paterson hat freilich auch eine kreative Seite: Er schreibt leidenschaftlich gerne Gedichte, die er in einem Notizbuch festhält.

So poetisch wie sein Busfahrer gibt sich der Regisseur. Während der eine (vor der Kamera) banale Streichholz-Schachteln zur literarischen Inspiration nutzt, setzt der andere (hinter der Kamera), auf die Poesie des Alltäglichen. Das Palaver der Passagiere im Bus. Der Small-Talk am Tresen der Bar. Alles wirkt so beiläufig wie elegant in Szene gesetzt. Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss, und immer wieder blühen am Ufer ein paar hübsche Pflänzchen auf. Sei es ein kleines Mädchen, das gleichfalls gerne Gedichte schreibt. Die lärmenden Hip-Hop-Gang, die lautstark eine Hunde-Entführung androht. Oder jener japanische Tourist, der eigenes nach Paterson anreist, weil dieser Stadt vom Lyriker William Carlos Williams ein fünfbändiger Gedichtzyklus gewidmet wurde.

Mit dem minimalistisch aufspielenden Adam Driver und der nicht minder brillanten Iranerin Golshifteh Farahani hat sich ein Paar gefunden, dass die eheliche Harmoniesucht mit grandiosem Partner-Ping-Pong charmant absurd auf die Spitze treibt, ohne dabei je zu nerven. Große Konkurrenz erwächst dem Duo freilich durch die leinwandpräsente Bulldogge Marvin. Dem treuen Hundeblick sollte man jedoch keinesfalls trauen, dieser Vierbeiner hat es faustdick hinter den Ohren. Beim Festival von Cannes wurde das possierliche Tier prompt mit der Spaß-Palme „Palm Dog Award” als Bester Filmhund gekürt.

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