Willkommen bei den Hartmanns

Regie: Simon Verhoeven | Darsteller: Senta Berger, Heiner Lauterbach, Elyas M’Barek u.a.
Komödie/Satire | Deutschland | 2016 | FSK: 12 | 114 min

Regisseur und Drehbuchautor Simon Verhoeven unternimmt in "Willkommen bei den Hartmanns" etwas, was im deutschen Kino eher selten gelingt. Er behandelt mit den Mitteln aufgedrehter Unterhaltung einen politischen und sozialen Konflikt, der ganz aktuell das Land in zwei ziemlich unversöhnliche Lager zu spalten scheint: die Anhänger und die Feinde von Angela Merkels "Wir schaffen das"-Parole.

Senta Berger spielt eine pensionierte Lehrerin, die beschließt, einen afrikanischen Flüchtling im schönen Haus ihrer Familie in der Münchner Vorstadt einzuquartieren. Schließlich steht ihr Arztgatte (Heiner Lauterbach) meistens im OP, und ihre Kinder, eine verstrahlte Studentin und ein als Bonzenanwalt arbeitender Karrierist sind längst ausgezogen.
Das ändert sich allerdings schnell, als der aus Nigeria stammende Asylbewerber Diallo nach einem Flüchtlings-Casting im Wohnzimmer der Hartmanns ein Zimmer im Keller der Villa bewohnen darf. Plötzlich zappelt die ganze Großfamilie samt Angelikas zwölfjährigem Enkelsohn ständig aufgeregt um den Neuankömmling aus Afrika herum - und verwandelt die Refugee-Welcome-Villa im Reichenviertel in ein Narrenhaus.
Im großen Durcheinander des Klamauks macht es die Stärke der Komödie aus, dass sie es mitunter tatsächlich schafft, sowas wie deutsche Zeitgeschichte abzubilden - und einem Massenpublikum den Spiegel vorzuhalten. Es ist nicht immer geschmackvoll, manchmal viel zu schön und manchmal unfassbar schrecklich, was das Publikum da zu sehen bekommt. Meistens aber ist es zum Lachen. Gut möglich, dass sich Schulkinder in einer weniger von Streit vergifteten Zukunft diesen Film mal als historisches Dokument im Geschichtsunterricht ansehen werden.

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