So weit und groß - Die Natur des Otto Modersohn

Regie: Carlo Modersohn
Dokumentation | Deutschland | 2010 | FSK: 0 | 76 min

»So Mächtiges – Worte für fast Unsagbares – enthält dieses Land, die Sprache Otto Modersohns.« Rainer Maria Rilke
Otto Modersohn (1865–1943), einer der bedeutendsten deutschen Landschaftsmaler, wurde bekannt als Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede. Mit seiner Frau Paula Modersohn-Becker und ihrem gemeinsamen Freund Rainer Maria Rilke bildete er eines der Zentren europäischer Kunst des frühen 20. Jahrhunderts.
In seiner Filmbiographie setzt Carlo Modersohn, Urenkel des Künstlers, ausschließlich auf historische Bildmaterialien: Filme, Fotografien, Reproduktionen von Gemälden, Zeichnungen und Schriftdokumente aus der Zeit um 1900.
Die von Hanns Zischler und weiteren Sprechern vorgetragenen Texte entstammen zahlreichen Tagebüchern, Briefen und Aufzeichnungen von Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker und Rainer Maria Rilke. So visualisiert eindrucksvolles Archivmaterial diese bewegend erzählte Lebensgeschichte.

“Ich bin ein geborener Landschaftsmaler.”
Bereits früh revoltierte der Akademiestudent Otto Modersohn (1865-1943) gegen die Lehren seiner Professoren in Düsseldorf und stellte das Studium der Natur in den Mittelpunkt seines Schaffens. Modersohn entwickelte sich zu einem unabhängigen Einzelgänger, der seine künstlerischen Ziele mit den Begriffen Einfachheit, Intimität und Innerlichkeit definierte und seine kreative Kraft aus der geistigen Versenkung in die Natur schöpfte.
Fasziniert von der eigenwilligen Landschaft des norddeutschen Teufelsmoors, ließ er sich dort nieder und wurde 1889 Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede. Was ist Natur? Die unendliche, unermessliche Fülle individueller Gebilde. Otto Modersohn versuchte zeitlebens, die Dinge tief zu durchdringen und das Wesentliche an ihnen herauszuarbeiten.
Höhepunkt des Films bilden die gemeinsamen, künstlerisch hoch anregenden, aber auch konfliktreichen Jahre mit Paula Modersohn-Becker (1876-1907). Schon früh erkannte Otto Modersohn: Sie hat etwas ganz seltenes – […] Keiner kennt sie, keiner schätzt sie – das wird anders werden.
Nach Paula Modersohn-Beckers tragisch frühem Tod 1907 verließ Otto Modersohn Worpswede und zog nach Fischerhude bei Bremen. Er engagierte sich öffentlich in der Streitschrift Im Kampf um die Kunst, in der es um die Verteidigung französischer Kunst in deutschen Museen ging, entdeckte neue Motive und begegnete seiner zukünftigen Frau, Louise Modersohn-Breling. Die folgenden Jahre brachten viele Studienreisen und lange Aufenthalte in den Allgäuer Bergen mit sich und waren bis zum letzten Augenblick von intensiver künstlerischer Arbeit und einer meisterhaften Malkultur geprägt.
Was der Künstler – seinen Tagebuchaufzeichnungen zufolge – anstrebte, nämlich die Überwindung der Natur, das Dahinströmen vergeistigter Farben auf der Fläche, gelang ihm in seinem Spätwerk. Für Modersohn war Malen ein Lebensvorgang, so wichtig wie das Atmen. Er hinterließ ein bedeutendes malerisches und zeichnerisches Werk, das von einem ganz eigenen und unverwechselbaren Stil geprägt ist.

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