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Love & Friendship

Regie: Whit Stillman | Darsteller: Kate Beckinsale, Chloë Sevigny, Xavier Samuel u.a.
Komödie/Kostümfilm | Irland/Niederlande/Frankreich/USA/Großbritannien | 2016 | FSK: 0 | 93 min

Kate Beckinsale überzeugt mit einer betörenden Glanzleistung als finanzklamme Witwe, die nach vermögenden Heirats-Kandidaten Ausschau hält - und dabei die feine Snob-Society so selbstbewusst wie clever am Nasenring durch die Manege der Eitelkeiten zieht.
„Love & Friendship“ basiert auf dem Briefroman „Lady Susan“ der britischen Schriftstellerin Jane Austen.

Nachdem ihr Gatte verschieden ist, sucht die schöne Susan nach lukrativen Möglichkeiten, den gewohnt luxuriösen Lebensstandard nicht zu verlieren. Der Versuch, sich samt der erwachsenen Tochter im Anwesen ihrer alten Freunde Lord und Lady Manwaring einzunisten, scheitert freilich nach kurzer Zeit an der nicht ganz unberechtigten Eifersucht der Gastgeberin.
Von solchen Rückschlägen lässt sich die selbstbewusste Witwe kaum entmutigen. Kurzerhand lädt sie sich selbst auf dem Anwesen von Schwager Charles ein - zum Schrecken von dessen Gattin Catherine, der Schlimmes schwant. Deren Bruder Reginald reagiert hingegen überaus begeistert auf den weiblichen Besuch. Ihm gehörig den Kopf zu verdrehen, gerät für Susan zum Kinderspiel. Als der besorgte Vater des jungen Liebhabers seinen Sohn aus den Fängen der skandalumwehten Verführerin befreien will und mit Enterbung droht, ist es längst zu spät.
Mit spürbaren Vergnügen gibt Kate Beckinsale diese listige Witwe, die alle Rivalinnen mit eiskalt kalkulierten Charme-Offensiven und höflichen Bonmots aus dem Weg räumt und so bei der Damenwahl die beste Männer-Beute macht. Aber wehe, ein Verehrer erscheint zu unvermögend: „Wie wagen Sie es, mich anzusprechen? Ich werde Sie auspeitschen lassen!“ faucht die mittellose Lady - um danach mit der besten Freundin zu kichern.
Nicht nur an dieser prickelnden Beckinsale hätte Jane Austen gewiss ihr Vergnügen. Auch Tom Bennett als reicher Trottel liefert eine komödiantische Meisterleistung. Ob er sich beim Essen euphorisch an der Existenz von „kleinen grünen Kugeln“ auf seinem Teller erfreut, gemeinhin als Erbsen bekannt. Oder angeberisch über die 12 Gebote Gottes philosophiert - und auf Nachfrage seinen Zahlenfehler tölpelhaft korrigieren möchte.

Für die dramaturgische Umsetzung dieses Briefromans, der erst ein halbes Jahrhundert nach Austens Tod veröffentlicht wurde, findet Regisseur Whit Stillmann ein cleveres Konzept: Er stellt die Figuren kurzerhand mit Einblendung ihres Namens sowie der Funktion und Charaktereigenschaften vor. Damit lässt sich das bunt besetzte, prachtvoll ausgestattete Figurenkarussell schnell in Schwung bringen. Rasante Dialoge sowie reichlich Situationskomik sorgen dafür, dass diese Fahrt nie an Tempo verliert.

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