Silence

Regie: Martin Scorsese | Darsteller: Adam Driver, Liam Neeson, Andrew Garfield u.a.
Drama/Historienfilm | USA | 2017 | FSK: 16 | 161 min

Bildgewaltig, asketisch und tief religiös ist Martin Scorseses „Silence“, ein Projekt, das der Regisseur seit gut 30 Jahren realisieren wollte. Nun, im Herbst seiner illustren Karriere gelang es ihm, die Geschichte eines Priesters zu erzählen, der am Schweigen Gottes zu verzweifeln droht.

Eigentlich wollte er Priester werden. Kein Porträt des mit harten, oft brutalen Großstadt- und Mafiadramen berühmt gewordenen Martin Scorsese kommt ohne diesen Hinweis aus, doch statt in die Kirche verschlug es den New Yorker bald in die Kathedrale des Kinos. Mit schöner Regelmäßigkeit widmet sich Scorsese in seinen Filmen religiösen Themen, angefangen bei „Die letzte Versuchung Christi“ über den Dalai Lama-Film „Kundun“ und nun also „Silence“, der Verfilmung des Romans von Shusako Endo.

Endo zählte zu der winzigen Minderheit japanischer Christen und beschrieb in seinem 1966 erschienen Hauptwerk die Verfolgung der wenigen Christen und Missionare, die im frühen 17. Jahrhundert auf den hermetisch abgeschnittenen japanischen Inseln lebten. Ihren Anfang nimmt die Geschichte jedoch in Europa, wo die Jesuitenpriester Rodrigues und Garupe erfahren, dass ihr alter Lehrer, der sich zum Zweck der Missionierung in Japan aufhält, vom Glauben abgeschworen hat. Unvorstellbar scheint den jungen Priestern diese Tat, und so machen sie sich auf die beschwerliche Reise, buchstäblich ans Ende der damals bekannten Welt. In Japan treffen sie auf versprengte Gruppen von Christen, die ihren Glauben im Geheimen betreiben, stets in Gefahr, vom einheimischen Inquisitor gefunden und im schlimmsten Fall ermordet zu werden. Auch Rodrigues gerät bald in Haft, weigert sich jedoch standhaft, von seinem Glauben abzuschwören, selbst als er und vor allem seine japanischen Schäflein auf grausame Weise gefoltert werden.

Einen Kreuzweg, ein Martyrium beschreibt Scorsese in seinem Film, in dem seine Hauptfigur den Weg zum wahren Glauben findet. Als narzisstischer Mensch wird Rodrigues anfangs porträtiert, als Priester, der in keinem Moment an seiner Aufgabe zweifelt, von seiner eigenen Bedeutung auf fast arrogante Weise überzeugt ist. Als Häresie erscheint ihm lange auch nur der Gedanke daran, abzuschwören und zu diesem Zweck auf ein Bild von Jesus oder Maria zu treten.

Ein reines Symbol könnte man meinen, das nichts darüber verrät, was tief im Herzen eines Menschen vor sich geht, woran man wirklich glaubt. Doch bis diese Erkenntnis in Rodrigues reift, muss er einen langen Leidensweg durchschreiten, auf dem er betet und auf ein Zeichen Gottes wartet. Doch Gott schweigt. Warum legt Gott ihm und den wenigen japanischen Christen solch eine Qual auf, fragt sich Rodrigues, in Variation der Frage der Theodizee, die fragt, warum ein gutmütiger Gott so viel Leid auf der Erde zulässt.

Vom schwierigen Weg zum wahren Glauben erzählt Scorsese also in „Silence“, in atemberaubenden Bildern - gedreht wurde in den sattgrünen Landschaften Taiwans - aber auch mit geradezu asketischer Konsequenz. Ein zutiefst persönlicher, tief empfundener Film ist das gewiss, der in seinem unverhohlenen Hochhalten des Christentums, das nie auch nur im Ansatz die Missionarsarbeit in fremden Kulturen hinterfragt und allein dadurch im eigentlich liberalen Hollywood ein Unikum ist.

Die Konsequenz mit der Scorsese diese Geschichte erzählt, macht „Silence“ zwar einerseits zu einem wuchtigen Film, lässt ihn andererseits aber auch hermetisch werden. Steht man Religionen im Allgemeinen und dem Christentum im Besonderen auch nur vorsichtig kritisch gegenüber, fällt es schwer, Scorsese mit seinem Film vollständig zu folgen, so eindrucksvoll „Silence“ in filmischer Hinsicht auch ist.

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