Es war einmal in Deutschland

Regie: Sam Garbarski | Darsteller: Moritz Bleibtreu, Antje Traue, Tim Seyfi u.a.
Komödie | Deutschland/Luxemburg/Belgien | 2017 | FSK: 12 | 101 min

Fast alle Aspekte des Dritten Reichs und des Holocausts sind im Kino schon bearbeitet worden, allein die Gruppe der überlebenden Juden, die nach dem Krieg in Deutschland blieben, kam bislang kaum vor. Diese Lücke schließt nun Sam Garbarskis neuer Film, der auf wahren Begebenheiten beruht.

Es wirkt wie ein Konzentrationslager, die typischen Baracken, der Zaun, doch über dem Tor verrät ein Davidstern, dass der Krieg vorbei ist, das Lager umfunktioniert wurde: Durchgangslager ist es nun, in der Nähe von Frankfurt gelegen, und dient als Auffangbecken für die jüdischen Überlebenden der Vernichtungslager. Einer von ihnen ist David Bermann, der ein gutes Jahr nach Kriegsende wieder auf dem Weg nach oben ist. Vor dem Krieg führten seine Brüder und er ein großes Wäschehaus in Frankfurt, nun plant Bermann feinste Laken und Handtücher bei der deutschen Hausfrau loszuwerden, um sein großes Ziel zu verwirklichen: nach Amerika zu emigrieren.
Doch es gibt ein Problem: Die amerikanische Besatzungsmacht verweigert David eine Lizenz, er wird der Kollaboration verdächtigt. Die amerikanische Offizierin Sara Simon bestellt David regelmäßig zu sich, wo er von seinem Schicksal berichtet. Schier unglaublich hört sich die Geschichte an, wie ein Märchen aus 1001 Nacht, aber im Geschichtenerzählen ist David auch groß. Gemeinsam mit seinen Kompagnons fährt er durch die hessische Pampa und dreht den Deutschen Laken an. Auch vor dem Druck auf die Tränendrüse scheut sich die Drückerbrigade nicht: Aus den Schuldgefühlen der Deutschen lässt sich ebenso Profit schlagen wie aus der Trauer darum, dass es mit dem Führer dann doch nicht so geklappt hat.

Würde man es nicht besser wissen, könnte man Sam Garbarskis Film vorwerfen, antisemitische Stereotype zu bestätigen: windige Geschäftemacher sind die jüdischen Drücker, haben stets den Profit im Sinn und sich auch im Konzentrationslager einiges zu Schulde kommen lassen, um zu überleben. Mehrmals betont David zwar „Hitler ist tot - Wir haben überlebt!“ doch ganz so einfach ist es nicht. In vielen Erinnerungen von Überlebenden der Lager ist davon die Rede, wie unmenschlich man sich oft verhalten musste, um seine eigene Haut zu retten, wie wenig Platz an diesem ohnehin unmenschlichen Ort für ein bisschen Menschlichkeit war.

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