Ich. Du. Inklusion. - Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft

Regie: Thomas Binn
Dokumentation | Deutschland | 2017 | FSK: 0 | 90 min

Inklusion - ein viel diskutierter Begriff. Ihr oberstes Ziel: Menschen mit Behinderung sollen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilnehmen. In Deutschland ist das Thema spätestens 2014 im schulischen Bereich angekommen. Seitdem werden an immer mehr Schulen, gesunde und unterstützungsbedürftige Kinder gemeinsam unterrichtet. Allumfassend und detailliert zeigt Thomas Binn in seiner Langzeit-Doku den Alltag an einer inklusiven Schule und die Probleme, mit denen die Involvierten zu kämpfen haben. Ein wichtiger Film, der für viele Unbeteiligte Licht ins Dunkel bringt und mit Halbwissen aufräumt.

Seit dem Jahr 2014 schlossen in Deutschland zahlreiche Förderschulen. Der Grund: ein EU-weites Gesetz, das für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen soll, trat auch bei uns in Kraft. Seitdem haben Kinder mit einer Behinderung einen Rechtsanspruch darauf, an einer Regelschule unterrichtet zu werden. Gemeinsam mit gesunden Schülern. Die Aufgabe der Politik: den Schulen die nötigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um die Kinder entsprechend betreuen zu können. Der Film begleitet fünf Grundschüler, mit und ohne Unterstützungsbedarf, über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren. Zu Wort kommen Eltern, Schüler und die Pädagogen, die einen Einblick in den Alltag einer inklusiven Schule gewähren.

Über wenige Themen im Bereich der Bildungspolitik wurde in den vergangenen drei Jahren so hitzig debattiert und gestritten wie über die „Inklusion“. Befürworter sind der Ansicht, dass sie den Menschen dabei helfe, ihr Potenzial zu entfalten. Zudem sorge sie für mehr soziale Gerechtigkeit und intensiviere den Kontakt zwischen behinderten und nicht-behinderten Menschen. Eines der Hauptargumente der Gegner lautet, dass behinderte Menschen in einer inklusiven Gesellschaft unter Leistungsdruck geraten würden und überfordert seien. Der tägliche Umgang mit Gesunden sei ungewohnt und erinnere sie stets daran, „anders“ zu sein.
„Ich. Du. Inklusion.“ ergreift für keine dieser beiden Seiten Partei. Er macht etwas viel Entscheidenderes: er veranschaulicht für den Außenstehen den Inklusionsprozess an einer Schule. Viele Menschen, die sich an den Diskussionen beteiligen, wissen gar nicht, wie der Alltag an einer solchen Bildungseinrichtung abläuft. Sie haben keine Kenntnis darüber, wo die Hauptprobleme liegen und wie die eigentlich Beteiligten bzw. Betroffenen mit allem zurechtkommen.

Im Laufe des Films wird deutlich, dass Inklusion ein höchst komplexer, vielschichtiger Prozess ist. Er kann nur dann funktionieren, wenn sich ihr alle stellen und die Herausforderung annehmen. Eine einfache, kurze Abhandlung des Themas ist nicht möglich. Was aber möglich sein sollte, das macht der Film auch deutlich, ist die Bereitstellung von entsprechenden finanziellen Ressourcen, ausreichendem Personal sowie gut ausgebildeten Fachkräfte (vor allem Sozialpädagogen). Dafür muss die Politik sorgen. Darüber besteht, ausnahmsweise, allgemeine Einigkeit.

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