Einsamkeit und Sex und Mitleid

Regie: Lars Montag | Darsteller: Jan Henrik Stahlberg, Friederike Kempter, Rainer Bock u.a.
Drama/Tragikomödie | Deutschland | 2017 | 119 min

… ist eine provokante Komödie über die Schwierigkeiten, eine glückliche Beziehung zu leben.
Ein Schuhdiebstahl im ICE bildet den Auftakt eines wilden Kaleidoskops von Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen unterschiedlichsten Großstadtmenschen, die in diesem Film lustvoll wie in einem Spinnennetz zappeln.

Ein Film, dessen Titel sich im Versmaß der Nationalhymne aufsagen lässt, hat schon vorab einen Originalitäts-Bonuspunkt. Den zweiten gibt’s gleich obendrein für jenes verspielt poppige Plakat, das an Pedro Almodóvars beste, wilde Zeiten erinnert. Beides könnten bloße Werbemätzchen sein - doch diese rabenschwarze Komödie hat tatsächlich eine substanzielle Wucht, wie sie im deutschen Kino selten ist.

Die Lage der Nation in Sachen Liebe, könnte dieses kuriose Kaleidoskop überschrieben sein. Flüsternde Erzählerstimmen geben eine Einführung in das famose Figurenkabinett. Da wäre der Thomas, ein Polizist mit latentem Rassismus-Problem. Thomas mimt gern den Macho vor seiner verschüchterten Kollegin, mehr als ein gemeinsamer Sauna-Besuch (samt Migranten-Bashing) läuft jedoch nicht. Supermarktleiter Uwe geht die Sache pragmatischer an, er macht Kontakte übers Internet, wie zum Beispiel mit Künstlerin Janine. Dem blasierten Smalltalk über Gin-Sorten an der coolen Bar folgt die schnelle Nummer auf dem Behinderten-Klo.
Da ist Uwes Ex beim Sex schon wählerischer. Sie bucht Callboy Vincent mit höchst detaillierten Vorstellungen, an denen der hübsche Escort-Boy freilich verzweifeln könnte. Bei der Teenager-Liebe knirscht es gleichfalls im Gefühlsgebälk. Dem sensiblen Johannes macht eine Sekte die Hölle heiß, als er erste Mädchenträume beichtet. Sein Objekt der Begierde Swentja (Lilly Wiedemann), muss sich derweil den forschen Mahmud vom Hals halten. Irgendwie findet die 14-Jährige dessen plumpe Anmache aber auch ziemlich cool. Als ihre kleine Schwester Sonja plötzlich verschwindet, bekommt das Figurenkarussell einen dramatischen Kick.

So kompliziert und abstrus diese „Wer liebt wen, warum und wie?“-Geschichten klingen mögen, so lässig und verspielt sind sie miteinander verwoben. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen sowie neue Verknüpfungspunkte, die für verblüffende Effekte sorgen. Die klassischen Beziehungsthemen wie die Suche nach Liebe, die Angst vor Einsamkeit oder das Verlangen nach Sex werden satirisch flott aufgemischt und mit visuellem Einfallsreichtum inszeniert.

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