Micmacs - Uns gehört Paris!

Regie: Jean-Pierre Jeunet | Darsteller: Dany Boon, Dominique Pinon, André Dussollier u.a.
Komödie | Frankreich | 2009 | FSK: 12 | 104 min

Jean-Pierre Jeunet (DIE STADT DER VERLORENEN KINDER, DELICATESSEN, DIE FABELHAFTE WELT DER AMELIE), der bildgewaltige Phantast, schafft auch diesmal ein filmisches Universum, das atemberaubend, schlüssig und höchst originell zugleich ist: Der Held wird versehentlich von einer Kugel aus einer Pistole in den Kopf getroffen. Er überlebt zwar, ist aber im Gehirn verletzt, wodurch er nun Phantasie und Realität kaum noch trennen kann…

Das Leben hat es bislang nicht gerade gut gemeint mit Bazil. Zuerst raubt ihm eine Landmine in Nordafrika den Vater, worauf die Mutter in die Nervenheilastalt und der Junge ins freundlose Kinderheim muss. Später ist es wieder ein Produkt der Waffenindustrie, das den jungen Mann aus seinem Alltag reißt. Ein verirrte Kugel beendet Bazils sorgloses Dasein als Angestellter einer kleinen Videothek. Als er nach Tagen aus dem Koma erwacht, ist sein Job neu vergeben und seine Wohnung aufgelöst. Dafür hat er nun eine Kugel in seinem Kopf, die nicht entfernt werden kann.
Zum zweiten Mal aus dem Leben gerissen, landet Bazil auf der Straße. Hier lernt er den schrulligen Schrotthändler Canaille kennen. Dieser macht ihn mit einer wunderlichen Truppe von Außenseitern bekannt, die sich in einem geheimen Gewölbe des Schrottplatzes gemeinsam ein neues Zuhause geschaffen haben. Unter der mütterlichen Regentschaft der Köchin Cassoulette lebt die Gruppe in einer Welt voller nostalgischer Fundsachen und poetischer Artefakte, die der Tüftler unter ihnen, Petit Pierre, aus Schrottteilen zusammenbaut. Gestärkt durch die neue Gemeinschaft, macht sich Bazil daran, mit den Verantwortlichen abzurechnen, die so viel Elend in sein Leben und das vieler anderer Opfer gebracht haben. Er findet heraus, dass die Besitzer der beiden Waffenfabriken verfeindet sind. Bazil und seine neuen Freunde schmieden einen Plan, der die skrupellosen Waffenproduzenten nach allen Regeln der Kunst gegeneinander ausspielen soll, um ihnen für immer das Handwerk zu legen. Dabei kommt Bazil zu Gute, dass jeder aus der Truppe über ganz besondere Fähigkeiten verfügt...

Herz des Filmes ist Frankreichs neuer Superstar Dany Boon („Willkommen bei den Sch´tis“) der hier als gewitzter Tramp auf den Spuren von Charlie Chaplin wandelt. Sein Spiel versprüht genau den Zauber, der die überbordene Phantasie von Jeunets Kinowelten nicht zum schieren Selbstzweck werden lässt. So kann sich der Betrachter ganz der kindlichen Freude am Kampf von David gegen Goliath hingeben. Eine Schlacht, in der sich Kreativität und Komik zu bestem Kintopp vereinen und die am Ende vor allem einen Sieger kennt: den Zuschauer.

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