Körners Corner - schreiben über Film


6. Juni 2025

CORNER #108 und #109: Raus aus Dresden und immer wieder zurück

Zwei weitere Ausgaben unserer Gesprächsreihe stehen an. Zweimal könnte man denken, die Einladungen haben vor allem etwas mit Dresden zu tun und damit, wie es ist, künstlerisch von hier aus ins Land und in die Welt zu gehen, immer wieder zurückzukommen, der barocken Dunstglocke zu entfliehen, mit Bild und Ton zeitgenössische Kunst zu erschaffen. Dresden aber wäre nur ein Aspekt. Es geht um weit mehr. Die Namen der drei Gäste stehen genau dafür: Johannes Praus sowie Harriet & Peter Meining.
Johannes Praus, 1983 in Dresden geboren, ist als Absolvent der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ freier Fotograf und Kinematograf. Letzteres so herrlich „alt und edel“ klingende Wort steht im Abspann des Films IM PRINZIP FAMILIE, der jetzt in den Kinos gestartet ist. Es ist ein feinsinniger Dokfilm von Daniel Abma über die Menschen einer Wohngruppe. Über Kinder, für die die Einrichtung fern der Elternhäuser vor allem eine Lebenschance sein soll. Über Erwachsene, die ihnen tagtäglich ihr Herz schenken, damit es gelingen möge. Der Film lebt natürlich von ihnen, ins rechte Bild gesetzt hat sie - Johannes Praus. Er will sich mit der Suche nach den Spuren des Lebens ans menschliche Sein annähern, schreibt Praus auf seiner Website. Sich dem jeweiligen Stoff aus menschlicher Perspektive zu nähern, führe zu einer humanistischen Bildfindung. In IM PRINZIP FAMILIE kommen seine ethische und künstlerische Haltung auf wundervolle Weise zusammen. Und: Johannes Praus ist für den 35. Deutschen Kamerapreis nominiert, neben Thomas Riedelsheimer mit TRACING LIGHT, unser Gast der Januar-Corner.
Johannes Praus hat mit dem Liedermacher Tristan Brusch Videos gedreht, mit Olaf Held – auch er war mit seinen Kurzfilmen und den Freunden der Chemnitzer Filmwerkstatt in der Corner – unter anderem die Dokporträts ROADCREW und DIE TOTEN HOSEN – DIE WOHNZIMMER-JUBILÄUMSTOUR. Er war mit Daniel Abma auf Kuba, mit Mark Michel in Kirgistan, dreht fürs Fernsehen und die Leinwand Fiktion und Dokumentarisches, hat zwei Fotobände veröffentlicht und eigene Ausstellungen kuratiert. Wir sollten es wohl schaffen, mit ihm über vieles davon zu sprechen.

Der gleiche Wunsch gilt selbstverständlich auch für Harriet und Peter Meining. Sie haben drei ihrer mittellangen Filme (FALTER, EDEN 3030, DER KOPF DER KATZE) elegant zu einem Ganzen komponiert. Schlagworte wären hier: Dystopie, Zukunftsvision, Abgründe. Anlass genug, sie mit ihren DREI GESCHICHTEN VON MORGEN einzuladen, was für die Reihe ein längst überfälliger Termin ist. Jetzt passt es! Wir setzen uns bequem vor die Leinwand, auf derselben werden zu sehen sein: Lars Rudolph, Bernhard Schütz, André M. Hennicke, Petra Schmidt-Schaller.
Das Künstlerehepaar Meining gehört mit seinen gemeinsamen Arbeiten seit weit über 30 Jahren zum Spannendsten, was in Dresden entstehen durfte. Ganz gleich ob Kunsthaus Raskolnikow, Hellerau, Projekttheater, ganz gleich ob Performances, Theaterinszenierungen an renommierten Bühnen auch außerhalb, freigeistige Aktivitäten in freien Häusern und Clubs (Code: norton.commander.productions), Hörspiele, Installationen und eben experimentelle Filmprojekte – die Meinings sind im Grunde kaum zu fassen. Bei ihnen, wie auch bei Johannes Praus, lohnt zum privaten Präparieren unbedingt ein tiefer Blick auf die Website. Nicht zuletzt sind Harriet (geboren 1967 in Cottbus) und Peter (geboren 1971 in Dresden) auch Mitveranstalter der PK-Ost-Reihe KINO KONTROVERS. An dieser Stelle sei gleich auf den nächsten Abend hingewiesen: Am 14. September ist Nikita Michalkows DIE SONNE, DIE UNS TÄUSCHT (wieder) zu sehen, im Anschluss spricht Tobias Hülswitt mit Prof. Jörg Baberowski über das komplexe Verhältnis zu Russland. Das schon mal für die Lang-Planung, für die kurze einfach auf die nächsten Tage schauen ...

Post für Andreas Körner