Körners Corner - schreiben über Film


1. November 2023

Dora Unbekannt

Nun, so ganz stimmt die Überschrift nicht und seit zwei Jahren sowieso nicht mehr. Da hat sich selbst das Leipziger Gewandhausorchester an ein großes Werk der Komponistin und Musikerin Dora Pejačević herangewagt und deren einzige Sinfonie einmalig zur Aufführung gebracht. 2022 – da war die Urheberin fast 100 Jahre tot.

Es ist längst so, dass sich Film und andere Künste und das echte Leben auch gegenseitig befruchten, ergänzen, bedingen. So wurde erst durch den Kinofilm THE DANISH GIRL das Grab von Lili Elbe auf dem Dresdner Trinitatisfriedhof wieder mit einem Granitstein sichtbar. Auch eine Gedenktafel für die Malerin Paula Modersohn-Becker in der Friedrichstadt bekam durch Christian Schwochows PAULA eigene Aufmerksamkeit.
Jetzt weckt ein Dokumentarfilm wirklich berechtigte Neugier auf eine klassische Komponistin, die fern ihrer kroatischen Heimat nie jene Bedeutung erlangen konnte, die ihr mit Sicherheit zugestanden hätte. DORA – FLUCHT IN DIE MUSIK ist ein musikalisches, sinnliches Porträt dieser Frau, die auch in Dresden ihre künstlerischen Spuren hinterlassen hat. Pianistin Kyra Steckeweh und Regisseur Tim van Beveren haben diese und andere Spuren gesucht. Und in Europa gefunden. Hätte es ihren Film nicht gegeben, ich persönlich wäre nie auf Dora Pejačevićs überwältigende Musik gestoßen, nicht auf ihre Sinfonie, die Stücke für Klavier und nicht ihre vertonten Texte von Rilke und Nietzsche.
Es ist eine einmalige Aufführung, die es am Freitag, 3. November, 19.15 Uhr im Programmkino Ost geben wird. Alles, was nicht im Film zu sehen ist, werden Kyra Steckeweh und Tim van Beveren persönlich zur Premiere ergänzen können. Ausführliches zum Film können Sie im auch ansonsten sehr empfehlenswerten Blog „Musik in Dresden“ von Martin Morgenstern nachlesen. Es braucht nur einen Klick dafür und etwas Neugier.