Körners Corner - schreiben über Film


13. April 2025

Schulstoff!

Im Füllhorn leichtluftiger und putzigdeutsch betitelter Tragikomödien aus Frankreich besetzt Regisseur Éric Besnard einen wohligen Sonderplatz. Seine Filme – gern erinnern wir uns an DIE EINFACHEN DINGE und BIRNENKUCHEN MIT LAVENDEL – sind durchaus keine genormten Schmeichler, seine Themen auffällig gewichtig, die Umsetzung strahlt Gelassenheit aus. Und der Humor ist ganz ein feiner. Besnard packt ihn gern auf die Schultern seiner Besetzung. Dass er für LOUISE UND DIE SCHULE DER FREIHEIT erstmals mit Alexandra Lamy und bereits zum dritten Mal mit dem wunderbaren Grégory Gadebois zusammen gearbeitet hat, spricht Bände. Viel zu sprechen aber haben weder die vielfarbige Mimin noch der urige Mime. Fürs Sujet bedeutet es: perfaitement !

Nach persönlichen Passionen und einer dreiteiligen Hommage an seine Familie ist Éric Besnard in die Annalen der Heimat abgetaucht, 2021 mit À LA CARTE unmittelbar vor die Französische Revolution und ins erste Restaurant der Gourmet-Nation, nunmehr am Ende des 19. Jahrhunderts zu den Anfängen der Schulpflicht. Beides auf dem Land. Lehrerin Louise tritt ihre Stelle mit Pariser Vergangenheit an, nach privaten und gesellschaftlichen Ereignissen, die sie still und genügsam werden ließen, in sich gekehrt und dennoch voller Tatendrang der neuen Aufgabe zugewandt. Das Private hält sie lange Zeit versteckt, nur ihre Schultern und Gesichtszüge lassen Ahnungen zu. Diese Zurückhaltung verbindet sie mit Joseph, den Bürgermeister des Dorfes.
Der alleinstehender Vater einer kleinen Tochter weiß um Traditionen, Begehrlichkeiten, Tatsachen, schlicht, um den Alltag seiner Schäfchen. Er lebt ihn ja mit. Schreiben und lesen zu lernen, geht jedenfalls eher als Marotte übereifriger Städter durch. Hier oben im Berg zählt nur das, was Kinder mit ihren Armen und Beinen zu schaffen im Stande, wie nützlich sie sind. Doch Louise, die Neue, ist auch angenehm stur, demütig und flexibel und verliert Ziele nicht aus den Augen. Das Klassenzimmer in der Scheune, wo ihr Nachtlager parkt, direkt neben der Kuh? Kein Problem für Louise! Es zählt Größeres, eine nützliche Reform, die ihren Namen verdient und die Menschen meint.
Die Pässe Éric Besnards sind im Grunde leicht zu antizipieren. Wohin er sie bis hin zum Abpfiff spielt, folgt dann keinesfalls nur dem Gängigen. Er bleibt im Erzählfluss bewusst klein, in der Inszenierung fokussiert auf ein enges Universum, lässt dafür Ausstattungs- und Kostümdetails sowie die Kamera von der Leine. Es ist durchaus Besnards Sonderplatz, ja, aber nur wohlig ist er dann wohl doch nicht.

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