6. November 2024
Gut, dann reden wir eben heute schon über den altneuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Von wegen Hängepartie! Donald Trump hat es in nur einer Nacht geschafft, aber so etwas von! Nix mit knapp und hauchdünn. Reichlich und fett war es. Der Münchhausen der Politik konnte sich im Vorfeld scheinbar mühelos die Welt und sein Land zurecht lügen - nix passierte. Nachwehen vom angezettelten Sturm aufs Kapitol? Niente! Affären, Gerichtsverfahren, schwebende und beendete? Die gelt er sich einfach weg. Orange is the new whatever! Und ein ALTER WEISSER MANN hat seinen Anteil am nun vieltausendfach bejammerten Dilemma. Joe Biden hatte sich als Vertreter einer sehr anderen „Letzten Generation“ zu lange festgeklebt. Am Amt. Kamela Harris wurde Kanonenfutter. Wie peinlich für diese sich so gern so groß und doch so arrogant gebende Nation!
Ging es hier schon um Film? Nicht direkt. THE APPRENTICE – THE TRUMP STORY hatte seit seinem deutschen Bundesstart am 17. Oktober knapp über 100 000 Besucher. Das ist ordentlich, wenngleich nicht die große Welle. Ich habe auch so meine Probleme mit Ali Abbasis Werk, finde es in Teilen nicht scharf genug, nicht bissig und vor allem überraschungsfrei. Keine Ahnung, weshalb ein wichtiger US-Produzent und mutmaßlicher Trump-Fan mitten in der Produktion abgesprungen ist. So rasant war der Schlitten doch gar nicht unterwegs.
Absolut sehenswert aber ist THE APPRENTICE wegen Jeremy Strong. Er spielt den mit allen dreckigen Wassern gewaschenen Anwalt und zwei Jahrzehnte älteren Trump-Mentor Roy Cohn grandios, präzise und bis in kleinste Züge brillant, der Gepflogenheiten wegen sagen wir: oscarverdächtig. Immer dann, wenn er in die Szenerie eingebunden wird, zieht THE APPRENTICE schlagartig an und es ist oft, sehr oft, in Bezug auf die Wirkung des eigentlichen Haupthelden sträflich oft. Purer Genuss, diesem so abgrundtief fiesen Vertreter von Justitia auf Erden zuzusehen und eine absolute Herausforderung, ihn bei seinem Ausscheiden aus Film und Leben nicht ansatzweise zu bedauern.
Wer es bislang nicht ins Kino schaffen konnte oder wollte, dem sei mit diesem kleinen Hinweis zart in die Rippen gestoßen. Keine Angst vor Trump, es ist ein Cohn-Brother, der begeistert.