1. September 2025
Es ist wirklich schön, wenn sich die Spuren der Gesprächsreihe Körners Corner nicht einfach im Sand verlieren. Vor fast genau drei Jahren brachten die Tänzerin Fine Kwiatkowski (Foto: Ralf Emmerich) und ihr Lebens- und Arbeitspartner, der Musiker und Komponist Willehad Grafenhorst, ihren Film DAHINTER LIEGT DAS UNUMKEHRBARE zur Premiere. Übertitelt war der Abend mit „Tänze - Klänge – Brücken”, es könnte auch das übergreifende Motto ihres gemeinsamen Schaffens sein, wobei Videofilme immer wieder großen Raum einnehmen. Eine reich gefüllte Website und ein Pool mit über 20 Streifen zeugen davon. Dennoch sind es besondere Momente, wenn diese Filme in größerem Rahmen zu sehen sind und das Internet verlassen, sei es für Leinwandaufführungen wie dereinst im PK Ost oder als Teil von öffentlichen Installationen.
Offensiv gehen Fine und Willehad als cri du coeur beim Tanzen, Musizieren und Drehen in die Natur, in Wälder, Grotten, an steinige Küsten. Oft sind es spontane Initialzündungen, die sie inspirieren. Künstlerisch kommentieren sie dann ihre Umwelt, die unzähligen kleinen, oft versteckten Schönheiten sowie die zerstörerische „Aktie” der menschlichen Spezies. Es sind klassische Duo-Arbeiten oder Kollaborationen mit anderen Künstlern, Grafenhorsts Musik entsteht live vor Ort oder in Nachvertonung, wobei beide ihrem freigeistigen, politisch wachen und experimentellen Gestus treu geblieben sind – über viele Jahrzehnte. Zur Erinnerung: Fine Kwiatkowski war schon in den 1980ern in Super8-Filmen zu sehen, ihre Performances nahmen das bewegte Bild als Element seitdem immer wieder auf. Es ist eine Konstante ihrer Tanz-Kunst.
Aktuell gibt es mehrere Anlässe, um dieser, im Ursprung des Wortes, zeitgenössischen Kunst neu oder vielleicht erstmalig zu begegnen und gleichzeitig der Protagonistin selbst (und anderen). In der Städtischen Galerie Dresden läuft noch bis 21. September die Ausstellung „SOWIESO – Malerei, Papier und Film von Christine Schlegel”, die natürlich auch Arbeiten mit Fine Kwiatkowski enthält. Beide Künstlerinnen treffen sich dort am 2. September, 19 Uhr zum Gespräch über „Film und Bewegung”.
Eine große Personalausstellung mit und über Fine wird dann von 6. September bis 16. November im Dieselkraftwerk Cottbus, dem Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst gezeigt. Sie heißt ÜBER SCHATTEN SPRINGEN und vereint in zwei Räumen Werke unter anderem von Anne Rose Bekker, Lutz Dammbeck, Schang Hutter, Helge Leiberg, Madeleine Saludas, Hans Scheuerecker, Christine Schlegel und Wolfgang Scholz. Ein dritter Raum gehört ganz den Filmen und der Videoinstallation „unerneuerbar – irrinnovabile“ von cri du coeur, die die Entwicklung von 1956 - Fine Kwiatkowski wurde in diesem Jahr geboren - bis heute widerspiegelt, speziell die unumkehrbare Zerstörung der Natur durch Klimawandel, Waldbrände, Monokulturen, Plastikmüll. Die Filme entstanden auch auf Sizilien, wo das Künstlerpaar seit Jahren lebt. Fine tanzte dort zwischen verbrannten Bäumen nach einem verheerenden Feuer in einem Naturpark. Die in der Ausstellung auf den Boden projizierten Farben basieren auf einer von Klimaforscher Ed Hawkins entwickelten grafischen Darstellung der weltweiten Durchschnittstemperatur. Die Geschwindigkeit der Farbflächen-Bewegung verändert sich in Relation zum Anstieg des Meeresspiegels.
Zur Ausstellungseröffnung am 6. September, 19 Uhr gibt es ein Konzert der Compagni di Viaggio mit Moffo Schimmenti (Gesang), Paola Milio (Gesang), Willehad Grafenhorst (Flügel), Gandolfo Pagano (Gitarre/Elektronik) und Fine Kwiatkowski (Moderation/Tanz), das in voller Länge am Abend zuvor (20 Uhr) schon im Magdeburger Forum Gestaltung zu erleben ist.
Und noch einmal Cottbus: Am 15. Oktober, 19.30 Uhr findet im dortigen Staatstheater in der neuen Reihe „Kunst hinter dem Eisernen“ eine gemeinsame Performance mit Fine Kwiatkowski, der Malerin Mona Höke und dem Perkussionisten Reinhart Wronna statt. Der Titel hier: SCHICHTUNGEN
PS: In eigener Sache: Dies ist übrigens der 100. Beitrag im Blog ...