7. Januar 2025
„Let Me Entertain You“ schallt es seit 1997 durch die Arenen und Flutrinnen der Welt. Take, Robbie, That Thing! Am 9. Juli in Leipzig zum nächsten Mal, Karten sind ab günstigen 121,72 EUR noch zu haben. Vielleicht ist es ja dann wirklich wieder Robbie Williams, denn könnte sein, dass ...
Schade, als Überraschung geht es leider nicht mehr durch, weil schon zeitig erste Verblüffungen kolportiert wurden. Zudem verzichtete der Trailer auf zu viel Heimlichkeit in der Kinozeit und dann ist der ganze Film ja auch schon vor ein paar Tagen auf uns losgelassen worden: BETTER MAN als klassischer „Zwischengänger“ im Bereich der Multiplexe und Arthaus-Spielstätten. Das Tier ist also längst aus dem Sack und es ist ein Affe: Pop-Entertainer Robbie Williams wird in seinem Biopic von solch einem Wesen gespielt gespielt und das nicht nur in Traumsequenzen oder substanzbeflügelten Halluzinationen, sondern über die komplette Distanz.
Das ist nicht affig, sondern prächtig, weil die Motion-Capture-Technik mittlerweile auf extrem hohem Niveau angelangt ist und die Freiheit bei der Gestaltung gerade von Gesichtszügen nunmehr grenzenlos erscheint. Im Falle Robbie Williams war es essenziell. Er ist Äffchen mit acht im heimatlichen Stoke-on-Trent, spielt als solches unter einem Fünftel Rampenlicht bei Take That und wird im Fell erwachsen. Darauf muss man erst mal kommen!
Der Mut zur Selbstironie und -reflexion wird belohnt und im originalen Williamschen Off-Kommentar immer wieder auf Spitzen getrieben. Gleich am Beginn: Man habe ihn Narzist genannt, Hackfresse, blasiertes Arschloch und es stimme. Er wolle doch nur unterhalten! Immer für einen Spruch gut und auch in (Lebens-)Echtzeit bereit für so gut wie jede Kerbe, bekommt das Williams-Zitat, wonach er sich auf der Bühne ziemlich oft wie ein Affe gefühlt habe, zwei flotte Beine.
Regisseur Michael Gracey, der sich 2017 mit THE GREATEST SHOWMAN im Grunde selbst die Vorlage für BETTER MAN zugespielt hat, erfindet das üppig belegte Genre biografischer Künstlerfilme eben nicht komplett neu, sondern beweist „nur“ fulminantes Gespür für das Bündeln genialer, hier unaufzählbarer Ideen. Ohne Wankelmut bei Tempo, Pathos, Einkehr und Überwältigung, grätscht er für den in die Wiege gelegten Traum eines anderen durch zwei Jahrzehnte.
Biografische Fakten wurden hier und da natürlich frisiert, den Kern aber verliert Gracey nie aus dem Blick. Nicht Vater Peter, mit dem es stets zu kämpfen galt, um gemeinsam am Ende in der Royal Albert Hall Sinatras „My Way“ zu singen. Nicht die kraftvolle Liebe zu Großmutter Betty, das ruppige Verhalten gegenüber Kollege Gary Barlow und Freundin Nicole Appleton und gleich gar nicht der ewige Fight mit sich selbst, gipfelnd in einer Art Spartacus-Open-Air beim Auftritt in Knebworth.
BETTER MAN ist wild choreografiertes Musical und integres Drama, spitze Satire ein sehr, sehr großes Fest. Das Ding, lieber Robbie, entertaint uns!