Körners Corner - schreiben über Film


10. Januar 2025

Es werde Licht!

Verlässlichkeiten sind im Kino von grundlegender Güte. Wer sie einst sah, hat sicher noch Bilder oder Töne von RIVERS AND TIDES (2001), TOUCH THE SOUND (2004) und LEANING INTO THE WIND (2017) in Auge und Ohr. Regisseur Thomas Riedelsheimer erforschte mit diesen Essays die Essenzen der Filmarbeit: Klang und Zeit. Er tat es zusammen mit Künstlern wie Evelyn Glennie und Andy Goldsworthy. Immer mit an Bord: Fred Frith, experimenteller Avantgardegitarrist und freigeistiger Komponist.
Obwohl es nie wirklich gefehlt hat (weil nicht fehlen konnte), widmet sich Thomas Riedelsheimer jetzt dem Licht. TRACING LIGHT war der Eröffnungsfilm von DOK Leipzig 2024 im größten verfügbaren Kinosaal der Stadt. Kleiner durfte es nicht sein für dieses Werk!
Es ist wieder im besten Sinne ein Gewerkefilm, in dem sich Riedelsheimers Regie und Kamera nie vor andere Sparten wie Ton, Schnitt, Musik drängen. Es ist ein Leinwandfilm, der an Laptops regelrecht verkümmert, ein Boxenfilm, der den Lautquiekern am Schreibtisch ihre Existenzberechtigung entzieht. Es ist ein zutiefst rhythmisches, poetisches, philosophisch-sinnliches und definitiv auch informatives Erlebnis. Kunst trifft Physik, Künstler – diesmal ist es kein Einzel-Porträt – treffen Physiker, ihre Begegnungen sind ein Geben und Nehmen. Von Schottlands Hebriden geht es nach Erlangen, vom Marmor Carraras ins Max-Planck-Institut. Wasser und Glas wechseln ihre Farben, Licht als Metapher wird gefeiert, man lässt flippern ohne Kugel, sieht Lichtspalte in Steinhäusern, spricht über Pikosekunden, Photonen, Impulse, sieht schmelzendes Plexi und phosphoreszierende Pigmente.
Im Kinosaal kapiert man vielleicht nicht viel, aber man versteht. TRACING LIGHT gibt das Vertrauen in die Winzigkeit des Menschen zurück und auch in seine Größe, wenn er sich damit zufrieden gibt, Partikel der Natur zu sein. Wie sagte der Physiker Werner Heisenberg: „Die Quantentheorie ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass man einen Sachverhalt in völliger Klarheit verstanden haben kann und doch weiß, dass man nur in Bildern und Gleichnissen von ihm reden kann.“ Trifft auch aufs Licht zu. Und Raimund Ritz, einer der Künstler aus TRACING LIGHT, meint: „Ich finde das Licht schön ... wenn es mir Geschichten erzählt.“ Das schafft Thomas Riedelsheimer auf wundervolle Weise.
Herzlich willkommen in KÖRNERS CORNER #104 am 17. Januar im PK Ost!

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