30. November 2025
2022 gab es diesen Blog noch nicht, also auch nicht die - bald wieder anstehende - Jahresumfrage. ACHT BERGE von Felix Van Groeningen und Charlotte Vandermeersch wäre bei mir sehr weit oben gelandet. Wahrscheinlich ganz oben. Mit Gipfelkreuz. Es ist ein Film, der sich wunderbar dazu eignet, mit seinen Lieblingsmenschen ins Kino zu gehen oder sie zumindest sehr eindringlich dorthin zu schicken, auf dass sie sich an gemeinsam verbrachte Stunden in der Natur erinnern mögen. Drinnen an draußen denken, sozusagen.
Für mich sind es S., mein Cousin und Freund, und C. mein Kumpel und Freund. Viele Höhen- und Längenmeter waren wir schon mit Wanderschuhen unterwegs, zu zweit oder in der Gruppe in Zermatt und im Gesäuse, auf dem Monte Baldo, im Slovensky raj, auf der Hardangervidda. Wir liefen den Laugavegur auf Island und verlassene Pfade nahe Tromsø, erlebten aber auch grandiose Sonnenuntergänge auf dem Lilienstein oder schauten aus dem Holzhäuschen vom Mariina skála nahe Jetřichovice.
ACHT BERGE handelt von der Essenz im Leben, getragen, gebrochen und wieder zusammengesetzt von unbestechlich schöner Musik des Schweden Daniel Norgren. Die gleichnamige literarische Vorlage stammt von Paolo Cognetti und der Italiener hat in diesem Jahr seinen ersten eigenen Film ins Kino gebracht, der jetzt exklusiv im Rahmen von CINEMA ITALIA gezeigt wird – an nur einem Abend! FIORE MIO, und es verwundert keineswegs, geht noch einmal dorthin, wo ACHT BERGE spielt. Cognetti hat eine sehr persönliche Dokumentation gedreht, denn die Gegend ums Monte-Rosa-Massiv und das Aosta Tal ist „seine“ Gegend seit Kindertagen.
FIORE MIO entstand in vier Monaten als poetische Beobachtung von wenigen Menschen und viel Landschaft. Cognetti läuft mit seinem Hund Laki und macht dreimal Halt: In der Orestes Hütte (2625 m), der Mezzalama Hütte (3036 m) und in der Quintino Sella Hütte (3585 m). Er trifft Bergsteiger Arturo, der, obwohl schon über 80, dort oben noch ein nächstes Holzhaus bauen will. Trifft Mia, noch keine 30, die in der Hütte Frieden findet, und trotzdem weiterziehen wird. Trifft den nepalesischen Sherpa Sete, der wunschlos glücklich ist, auch fernab der Heimat, und man glaubt es ihm. Es geht um Wasser, Eis und Gletscher, um Menschen, die, sagt Paolo Cognetti, „wie Tiere erscheinen sollten, als Teil der Landschaft und Körper in Bewegung.“ Dafür hatte er Kameramann Ruben Impens dabei, der schon die Bilder für ACHT BERGE, aber auch Julia Ducournaus wilde Werke RAW, TITANE und ALPHA erschaffen hat. Es konnte nichts schiefgehen. Es ging nichts schief.
Es gab übrigens schon schlechtere Werbesprüche auf Plakaten: „Der Film zeigt nicht, wie wir die Berge retten können, sondern wie die Berge uns retten könnten“, steht geschrieben. FIORE MIO beschließt die diesjährige Ausgabe von CINEMA ITALIA. Er könnte ein Anfang sein.