Körners Corner - schreiben über Film


27. Januar 2025

Falsches Spiel mit Henry Hübchen

Es hätte schiefgehen können und zwar gründlich. Nicht nur die zweiten KUNDSCHAFTER DES FRIEDENS agieren auf Kuba, auch ein Film jüngeren Entstehungsdatums drehte sich um die karibische Ernst-Thälmann-Insel und hatte große Teile seiner Handlung dorthin verlegt. Virtuell zumindest. Verwundert rieb man sich vor drei Jahren die Augen, als eher defensiv und branchenintern die Kunde von ERNESTO’S ISLAND durchdrang.
Regisseur Ronald Vietz hatte Max Riemelt als Matthias mit der Urne der Mutter ins einstige „tapfere Bollwerk gegen den Kapitalismus“ (O-Ton Erich Honecker) geschickt. Mama wollte auf der 1972 von Fidel symbolisch an die DDR verschenkten Insel ohne Menschen (15 Kilometer lang, 500 Meter breit – ein Schnäppchen, allerdings bis heute kubanisches Staatsgebiet, also den Fängen der Treuhand entkommen) begraben werden und der Sohn stellt sich nicht quer.
Erste Reaktion: Was ist denn das für ein Drehbuch-Blödsinn! Eine verschenkte Insel, pöhh! Es brauchte allerdings nur ein paar Klicks, um sich diesen Fakt der Geschichte (D a s ist ein Fliegenschiss, Herr Gauland!) bestätigen zu lassen. Im Reigen der thematisch erweiterten „Ostfilme“ war dem Streifen allerdings ein schlimmeres Urteil beschieden als dem Eiland – er ging gnadenlos unter und zwar zu Recht!
Es ist nicht überliefert, ob dem KUNDSCHAFTER-2-Team zumindest kurz der Atem stockte, als sie von ERNESTO’S Sujet erfuhren, das zumindest im Handlungsort bedrohliche Parallelen aufwies. Fakt ist, sie schritten unbeirrt voran. Gut so! Bereits auf der Kinopremierentour der ersten Ausgabe – Henry Hübchen und Antje Traue waren 2017 zu Gast in der CORNER – hätten Regisseur Robert Thalheim viele Besucher auf eventuelle Nachfolger angesprochen und jetzt redet man sogar schon von einem dritten Teil. Warum eigentlich nicht? Naturbelassene Skeptiker von Mehrteilern im Kino werden routiniert darüber meckern, das ist zu verkraften. Erste Reaktionen nach dem Start von Teil zwei zeigen gepflegte Grüppchenbildung: Charme, Gags, Tempo seien wechselweise im ersten oder zweiten Durchlauf viiiiel besser. Es ist stets ein gutes Zeichen!
Ich jedenfalls habe mich dereinst bestens unterhalten gefühlt und heute wieder. Man trägt eben nicht immer Sakko und Satin, sondern manchmal eben Klamotte. Katharina „Tamara“ Thalbach als Michael Gwisdek ist göttlich, die Bombe in der „Trink fix“-Büchse herzallerliebst, Corinna Harfouchs falsches Spiel mit Henry Hübchen angemessen, sein güldener Colt - gewerkelt aus einem Zigarettenetui, einem Feuerzeug und einem Kugelschreiber - ist pure Erinnerungskultur. Genauso wie der Umstand, dass hier ein ordentlicher Prozentsatz Witzmasse ausschließlich im Osten verstanden wird. Warum, bitte, sollte es nicht so sein?

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